Chinas Übernahmepolitik: Wie immer mehr Firmen den Besitzer wechseln

Chinas Übernahmepolitik: Wie immer mehr Firmen den Besitzer wechseln

Nicht nur im Fußball sorgt China für Wirbel auf dem Transfermarkt, auch in der Wirtschaft zeigen sich die chinesischen Investoren so präsent wie noch nie. Neben den Millionen, die momentan in den professionellen Sport fließen und Top-Spieler nach China locken, wechseln auch die Global-Player die Eigentümer.

Genauso wie sich Uli Höneß um die Zukunft des Fußballs sorgt, dessen Transfergeschehen momentan von chinesischen Vereinen dirigiert wird, die absolute Top-Spieler in ihre Liga holen, sorgen sich einige Deutsche um das Wohl der eigenen Wirtschaft.

Nicht zuletzt Sigmar Gabriel beäugte das Wechselspiel deutscher Firmen unter chinesische Fittiche mit einer gewissen Skepsis. So ließ er Firmenübernahmen, die eigentlich schon unter Dach und Fach waren, von einem Gremium erneut überprüfen – sehr zum Ärger der bereits einigen Parteien auf wirtschaftlicher Seite.

Als Argumente für das Verhalten Gabriels sprechen die Chancengleichheit auf den Märkten und der Blick auf die globale Lage.

Während chinesische Firmen in Deutschland Unternehmen erwerben können, ohne größeren Aufwand, gilt im Umkehrschluss nicht das gleiche für deutsche Investoren in China.

Will ein deutscher Konzern einen chinesischen übernehmen, so muss er die Technologie betreffenden Pläne für Produkte, etc. der chinesischen Regierung offen legen.

Dies hängt damit zusammen, dass China offiziell das Ziel propagiert hat, zur technischen Weltspitze aufsteigen zu wollen.

Auf der anderen Seite wird die Position der Skeptiker dadurch gestärkt, dass internationale Sicherheitsbedenken von unbeteiligten Dritten aufkommen. So intervenierte niemand geringerer als der ehemalige amerikanische Präsident Barrack Obama bei der Übernahme der deutschen Firma Aixtron durch Chinesen. Er fürchtete die Technologie des Unternehmens könnte das nötige Know-How mit sich bringen um eventuelle Nuklearprogramme im fernen Osten aufzubauen.

Doch neben der skeptischen Seite gibt es auch Experten, die die Übernahme als weniger kritisch betrachten. Während im Jahr 2015 ein Gesamtbetrag von 500 Millionen Dollar in deutsche Firmen,die meist insolvenzbedroht waren, geflossen ist, sind es im ersten Halbjahr 2016 bereits 10 Milliarden Dollar gewesen, die in deutsche Firmen investiert wurden.

Es finden sich unter den gekauften Firmen auch deutlich weniger Insolvenzfälle, dafür sind viele mittelständische Unternehmen vertreten, die in ihrer Branche als marktführend gelten, wie zum Beispiel der Roboter-Produzent Kuka aus Augsburg.

Während Angestellte zunächst um ihre Jobs fürchteten und einige Außenstehende die Ausschlachtung deutscher Firmensamt Technik und Know-How befürchteten, kam Vieles anders.

Entgegen allgemeiner Ängste haben die chinesischen Investoren die deutschen Firmen nicht ausgehöhlt. Dabei geht es nicht nur um die logistische Schwierigkeit, sondern auch um den Anspruch chinesischer Firmen.

Diese sehen in deutschen Firmen auch eine Stätte der Arbeitsmentalität, in der Qualität und Perfektion noch eine Rolle spielen. Gerade deswegen sind speziell deutsche Firmen sehr beliebt bei chinesischen Unternehmen. Doch auch weil chinesische Unternehmen einen Sprung in ihrem technischen Standard umsetzen wollen: Die High-Tech-Firmen die im Fokus stehen verfügen entweder über eine besondere Technik oder Forschung, die für die Branche zukunftsträchtig erscheint.

Gerade aus diesem Grund wird der Firmensitz nicht verlagert, im Gegenteil, viele der chinesischen Investoren schaffen zusätzlich noch Arbeitsplätze in Deutschland durch die Gründung von Tochterfirmen nach der Übernahme. Doch warum verlagern die Investoren den Firmensitz nicht nach China, wo die Arbeitskräfte deutlich billiger sind, als in Deutschland?

Das liegt einerseits an der Wertschätzung für die deutsche Mentalität, andererseits an den hervorragenden Forschungsprojekten an den Standorten. Da es sich oft um empfindliche Technologie handelt, oder der Aufwand gigantisch wäre, bleiben die Einrichtungen bestehen.

Doch auch das Personal spielt eine Rolle in der Rechnung der chinesischen Geldgeber. Das Know-How, der hohe Bildungsstandard und die laufenden Forschungsprojekte sind unverzichtbare Dinge um weiterhin als marktführendes Unternehmen zu agieren. Immerhin möchte man nicht immer den Status des ewigen Billigproduzenten inne haben, China möchte sich zur technologischen Weltelite entwickeln.

Hauptziel der chinesischen Marktübernahmen sind mittelständische Unternehmen mit 200-500 Mitarbeitern. Auch wenn in Zukunft keine Übernahmen von wirklich großen Firmen ausgeschlossen werden können,so sind es im Moment doch vor allem Firmen, die restrukturiert und zur Marktspitze geführt wurden, nachdem sich ein Tief abzeichnete. Diese wieder auf Kurs gebrachten Firmen sind technologisch versiert und von höchstem Interesse, besonders da sie neu strukturiert wurden und auch was das Inventar angeht auf dem neusten Stand sind.

Natürlich steckt hinter jeder Übernahme mehr als ein Akt der Barmherzigkeit, solange man sich im wirtschaftlichen Rahmen bewegt sind die Interessen natürlich entweder finanziell begründet oder liegen im technischen Know-How des Übernahmeobjekts, dennoch lassen sich die Übernahmen nicht generalisiert als gut oder schlecht für die deutsche Wirtschaft bewerten, das muss in jedem einzelnen Übernahmefall eigen entschieden werden.

Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass die Übernahmen der chinesischen Wirtschaft einen Aufschwung verleihen, da auf innovativer Ebene mehrere Hürden auf einmal gemeistert werden können. Besonders der Erschluss weiterer europäischer Absatzmärkte durch die neu übernommenen Standorte und Reputation sind von außerordentlicher Bedeutung für diesen Aufschwung.

Bild: ©rawpixel_123rf.com

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GF China Marketing

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